Mann mit Allergie und Heuschnupfen beim Niesen in ein Taschentuch

Marathon: Krank oder verletzt – was nun?

Mittwoch, 25.09.2019

"Bei der Themenauswahl wusste ich nicht, dass ich diesen Beitrag zu einem Zeitpunkt schreibe, an dem ich selbst verletzt bin und etwas ruhiger treten muss", sagt Sportprofi Nicole Bretting und verrät Dir hier was Du beachten solltest.

© Foto: Robert Kneschke – Fotolia.com

Würde man eine Umfrage unter Sportlern starten, zu welchem Zeitpunkt Krankheiten/Verletzungen bei Ihnen auftauchen, würde die Antwort wohl lauten: Meist in der unmittelbaren Vorbereitungsphase oder direkt vor einem Wettkampf.

Diese Antwort würde auch ich geben.

Woran liegt das? An der steigenden körperlichen Belastung? Schon an einer Überlastung? An zu wenig Regeneration?

Die Wahrheit liegt ganz individuell irgendwo dazwischen.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass wir die Signale unseres Körpers immer wahrnehmen, aber nicht immer beachten. Ein Zwicken in der Wade oder im Knie, ein Husten oder ein Schnupfen im Herbst oder den Wintermonaten wird meist ohne großes Nachdenken in Ruhe auskuriert. Bei den gleichen Symptomen in der Wettkampfvorbereitung ist es mit der Ruhe schnell vorbei. 1 oder 2 Tage Trainingspause oder -reduzierung sind ggf. noch vertretbar, aber spätestens am 3. Tag wächst die Ungeduld. Ich bin dabei keine Ausnahme – leider.

Das oberste Ziel sollte immer die vollständige Genesung sein bevor wir wieder trainieren. Die Rückfallquote ist ansonsten sehr hoch und die Erholungsphase verlängert sich.

Marathon: Was sollte ich bei Krankheit tun?

Bei einer bakteriellen oder viralen Infektion gibt es zur Pause keine Alternative! Dein Immunsystem hat alle Hände voll zu tun den Eindringling zu eliminieren und Dich wieder fit zu bekommen.

Ganz abgesehen davon, dass ein Trainingsreiz vom Körper gar nicht verarbeitet werden kann, wird er damit auch noch unnötig belastet und im schlimmsten Fall überlastet. Laienhaft ausgedrückt, können unseren Abwehrzellen bei Überlastung auch Fehler unterlaufen und so wird versehentlich nicht mehr das Bakterium bekämpft sondern eine Körper eigene Struktur, die dem Bakterium ähnlich sieht z. B. unsere Herzklappen oder unsere Gelenksinnenhaut. Die Symptome dazu tauchen meist zeitverzögert zur eigentlichen Erkrankung auf.

Daher pausiere lieber einen Tag länger und steige dann wieder langsam in den Trainingsalltag ein – deiner Gesundheit zu Liebe.

Marathon: Wie gehe ich mit Verletzungen um?

Bei Verletzungen kommt es zunächst darauf an, wie schwerwiegend diese ist. Bei schweren Verletzungen kann der behandelnde Arzt Auskunft über die mögliche Belastungsintensität geben.

Bei leichteren Verletzungen z. B. Zwicken im Gelenk oder in der Wade besteht die Möglichkeit auf Alternativsportarten auszuweichen, die am besten keine oder nur wenig Belastung auf die lädierte Körperstruktur bringt.

Hierfür eignet sich z.B. Rad fahren oder Aqua Jogging.

Ein Mann in rotem Radtrikot fährt mit seinem Rennrad auf einer Landstraße an Wiesen vorbei
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Treppe zum Einstieg in ein Schwimmbecken
© Foto: Jay Wennington, Unsplash

Rad fahren: Die Gelenke werden kaum belastet, gleichzeitig ist das Bewegungsmuster der Muskeln ähnlich der Laufbewegung. Rad fahren ist immer eine echte Alternative im Grundlagentraining.

Aqua Jogging: Zur mühelosen Bewegung im Wasser benötigst Du als Hilfsmittel einen Schwimmgürtel.  Wie beim Rad fahren ist die Belastung auf Sehnen, Bänder, Gelenke und Muskulatur erheblich reduziert. Die Laufbewegung wird dabei ganz natürlich ausgeführt. Der Wasserdruck massiert zusätzlich die Muskulatur und hilft Verklebungen und Verhärtungen zu lösen.

Dank der zahlreichen Wassergymnastikkurse ist diese Trainingsmethode nicht mehr ganz unbekannt und man erntet nur noch wenige schmunzelnde Blicke.

Als zusätzliche Regenerationsunterstützung empfehle ich leichtes Dehnen und den Einsatz einer Faszien-Rolle. Zur Prävention sollte beides auch im normalen Training nicht fehlen.

Sollte eine Krankheit oder immer wieder kehren, muss gezielt nach der Ursache geforscht werden. In diesem Zusammenhang wird auch immer wieder von sogenannten „silent inflammation“ (stille Entzündungen) gesprochen. Diese kleinen Entzündungen belasten uns im Alltag nicht,  werden aber oft bei extremen Belastungen oder auch Stress zum Problem.

Kleine Entzündungsherde verstecken sich gerne im Zahn- oder im Darmbereich.  Auch falsche Bewegungsmuster oder Fehlstellungen können zu immer wiederkehrenden Problemen führen.

Nicole Bretting
Nicole Bretting ist Ironman Altersklassen-Weltmeisterin, mehrfache Ironman Altersklassen-Europameisterin und mit dem Team Quattra Bavariae Weltrekordhalter beim Race Across Amerika.
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