Big 5 Herzgesundheit: Stethoskop mit rotem Herz
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Die „Big Five“ der Herzgesundheit

Teil 2: 5 Faktoren bestimmen Ihre Herzgesundheit – Wie hoch ist Ihr persönliches Risiko einer KHK?

Mittwoch, 15.07.2026
Autor: Dr. Bernd Gimbel, KörperManagement® KG
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Wusstest du, dass 5 zentrale Risikofaktoren darüber entscheiden, wie gesund dein Herz altert – und dass du die meisten davon selbst beeinflussen kannst? In seiner neuen 3-teiligen Reihe „Die Big Five der Herzgesundheit“ zeigt dir unser Experte Dr. Bernd Gimbel, wie du Risikofaktoren frühzeitig erkennst und deine Herzgesundheit aktiv schützen kannst. Im 2. Teil erklärt er dir, wie hoch dein persönliches Risiko einer koronaren Herzerkrankung (KHK) ist.

Herzgesundheit ist kein Zufall

Rund 4,7 Millionen Personen sind laut Statistik von einer koronaren Herzerkrankung (KHK) in Deutschland betroffen. Jährlich sterben mehr als 348.000 Menschen an den Folgen von Herz-Kreislauferkrankungen. Ursache davon sind Risikofaktoren, die eine Atherosklerose -oder Arterienverkalkung wie sie im Volksmund bezeichnet wird- begünstigen.

Wenn Sie männlich, älter als 45 Jahre sind und es in Ihrer Familie zu einer Häufung von KHK-Fällen kommt, dann ist diese Konstellation zwar ungünstig, aber nicht beeinflussbar. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko einer Atherosklerose und damit einer KHK. Bei Männern früher als bei Frauen (erst ab dem 55. Lebensjahr), weil sich ihr Hormonspiegel während der Menopause verändert. Und in welche Familie jeder von Ihnen geboren wird, ist ebenfalls zufallsbedingt. Mit diesen Faktoren müssen Sie leben.

Im Unterschied dazu ist es von Ihren Lebensgewohnheiten abhängig, ob Sie rauchen, wie Sie sich ernähren und ob Sie körperlich aktiv sind. Ziel sollte es sein, gute Gewohnheiten zu verstärken und ungesundes Verhalten zu ändern oder es zumindest auf ein Mindestmaß zu reduzieren.

Eine große internationale Studie mit mehr als zwei Millionen Teilnehmenden aus 33 Ländern und 6 Kontinenten kommt zu dem Schluss, dass das Nicht-Vorhandensein von 5 Risikofaktoren das Leben von Menschen um über 10 Jahre verlängern kann.

Die „Big Five“ sind:

  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • hohes Cholesterin (Hyperlipidämie)
  • Fettleibigkeit (Adipositas)
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Rauchen

Die „Big Five“ machen etwa 50% der weltweiten Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus. Jeder Risikofaktor hat für sich Einfluss auf die Entstehung einer KHK und damit auch auf ein frühzeitiges Sterben. Rauchen und Hypertonie haben dabei die größte Bedeutung.

Wichtig zu wissen:

Je mehr Risikofaktoren bei Ihnen vorliegen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, früher zu sterben oder herzkrank zu werden. Jeder Faktor mehr potenziert das Risiko.

Tipp

Nutzen Sie jetzt die Gelegenheit mit dem Risikorechner der European Society of Cardiology (ESC) Ihr persönliches Risiko zu bestimmen.

Das Programm berechnet das Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis innerhalb der nächsten 10 Jahre für Personen in Deutschland.

Ich hoffe, Ihr Ergebnis zeigt ein geringes Risiko. Wenn Optimierungsbedarf besteht, dann können Ihnen die weiteren Informationen und Tipps hoffentlich weiterhelfen.

Hypertonie – Zu viel (Blut-)Druck ist fast normal

In der heutigen Lebenswelt ist „Druck im Kessel“ durch eine Vielzahl unterschiedlicher Stressoren fast zum Normalzustand geworden. Der sorglose Umgang damit kann fatale Folgen zum Beispiel für den Blutdruck haben.

In den aktuellen Leitlinien der ESC von 2024 sind drei Kategorien zur Einteilung des Blutdrucks bei körperlicher Ruhe genannt:

  • Nicht erhöhter Blutdruck: < 120/70 mmHg 
  • Erhöhter Blutdruck: 120–139 mmHg / 70–89 mmHg
  • Bluthochdruck: ≥ 140/90 mmHg

Bei der Messung des Blutdrucks unterscheiden wir zwischen zwei Werten.

Big 5 Herzgesundheit: Young Black Man Sitting On Couch And Checking Blood Pressure With Upper Arm Monitor, Millennial African American Guy Measuring Arterial Tension While Relaxing In Living Room At Home, Copy Space
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Der höhere Wert entsteht beim Zusammenziehen des Herzens und Ausstoßen des Blutes in die Gefäße (Systole). Der niedrigere Wert gibt Auskunft über das Druckverhältnis beim Entspannen des Herzmuskels und Rückfließen des Blutes ins Herz (Diastole). Bereits erhöhte Werte sind mit zunehmendem KHK-Risiko verbunden. Ab 140/90 mmHg spricht die Medizin von Bluthochdruck (Hypertonie).

Wichtig zu wissen:

  • Die genauere Blutdruckmessung als in der Praxis ist die Eigenmessung, da beim Arzt Menschen häufig unter Stress stehen (Weißkittel-Effekt) und dadurch der Blutdruck steigt.
  • Eine einzelne Messung liefert noch keine Aussage über Bluthochdruck. Nur wenn regelmäßig mehrmalige Messungen zu unterschiedlichen Tageszeiten höhere Werte als 140/90 mmHg anzeigen, ist Handlungsbedarf angesagt.
  • Der Goldstandard der Blutdruckmessung ist das ambulante Blutdruck-Monitoring (oder die Langzeit-Blutdruckmessung über 24 Stunden).

Tipp

Wenn Sie genetisch vorbelastet und / oder zudem von einigen der „Big Five“ betroffen sind, dann kontrollieren Sie regelmäßig Ihren Blutdruck.

Häufig werden Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Nasenbluten, Ohrensausen, Schlaflosigkeit oder gerötetes Gesicht nicht mit einem erhöhten Blutdruck in Verbindung gebracht. Diese eventuelle Fehleinschätzung kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Durch den hohen mechanischen Druck des Blutes in den Arterien, kann es zu Verdickungen der Gefäßwände kommen, um dem Innendruck nach außen Stand zu halten. Außerdem können druckbedingt mikroskopisch kleine Verletzungen und Entzündungen in den Innenwänden der Arterien entstehen, in denen sich Substanzen einlagern, die zu atherosklerotischen Plaques führen.

Ebenso kann der erhöhte Blutdruck den Herzmuskel stark belasten, indem sich die Muskulatur der linken Herzkammer verdickt (Linksherzhypertrophie). Unbehandelt besteht die Gefahr einer Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, bis hin zu einem plötzlichen Herztod.

In über 90% sind keine Grunderkrankungen als Ursache für Hypertonie feststellbar. Der genetischen Veranlagung wird eine Rolle zugeschrieben. Ein einzelnes „Bluthochdruck-Gen“ gibt es aber nicht. Viele Gene wirken sich auf die Blutdruck-regulierenden Systeme aus. Bei Hypertoniepatienten treten überdurchschnittlich häufig gemeinsam Übergewicht, Diabetes-mellitus Typ 2 und erhöhte Blutfettwerte auf. Aber auch andere Lebensstilfaktoren wie ungesunde Ernährung, Rauchen und Bewegungsmangel spielen bei einem zu hohen Blutdruck eine Rolle.

Die Stellschrauben, an denen Sie bei Hypertonie drehen können, sind damit genannt. Gelingt es Ihnen nicht, über Verhaltensänderungen Ihren Blutdruck auf ein gesundes Maß zu senken, dann sind blutdrucksenkende Medikamente eine weitere Option. Aus den 5 existierenden Wirkstoffen der ersten Wahl findet Ihr Arzt mit Sicherheit die für Sie am besten geeignete Kombination und Dosierung.

Rauchen – Besser atmen statt schlecht qualmen

Jeder weiß, dass beim Rauchen viele giftige und krebserregende Substanzen inhaliert werden. Damit nicht genug, Tabakrauch ist auch ein gefährlicher Risikofaktor einer KHK. Rauchen schädigt die Gefäßwände und fördert die Bildung von Plaques.

„Aber rauchen entspannt mich“, ist das oft genannte Argument der Betroffenen. Das liegt hauptsächlich an der Wirkung des abhängig machenden Nikotins auf das Gehirn. Auch das lange, tiefe Ausatmen des Zigarettenrauchs wird häufig von Rauchern als entspannend empfunden. Dieses Phänomen ist von den Atemtechniken her bekannt, weil langes tiefes Ausatmen den Entspannungsnerven (Parasympathikus) triggert.

Atmen: Frau hat Hände auf Brust und Bauch und atmet.
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Tipp

Atemübungen können einen gesünderen Beitrag zur Entspannung von Menschen leisten als Rauchen.

Diese Aussage gewinnt umso mehr an Bedeutung, da sowohl Rauchen als auch Stress negativen Einfluss auf die Herzgesundheit haben.

Cholesterin und Co. – Ein Molekül am Pranger

Auch über die Ernährung können Sie Einfluss auf Ihre Herzgesundheit nehmen, weil die Qualität der Nahrung und deren Verstoffwechselung in den Körperzellen die Blutwerte beeinflussen. Dabei spielt das Cholesterin eine besondere Rolle. Dieses Molekül wird per se als schädlich an den Pranger gestellt. Das entspricht in keiner Weise seiner eigentlichen Bedeutung.

Cholesterin ist ein lebensnotwendiger Baustein. Ihr Körper benötigt ihn für den Aufbau der Zellmembranen, die Produktion von Hormonen (Sexualhormone und „Stresshormon“ Kortisol), die Bildung von Vitamin D und der Gallensäure, die für die Fettverdauung notwendig ist. 80 % des Cholesterins wird vom Körper selbst hergestellt.

Da Cholesterin ein Fettmolekül ist und Fette im Wasser nicht lösbar sind, benötigt es im Blut ein Transportmolekül. Diese Aufgabe übernehmen die Lipoproteine (Fett-Eiweiß-Verbindungen). Es gibt mehrere davon, die sich in ihrer Größe und Dichte voneinander unterscheiden und unterschiedliche Funktionen erfüllen.

Tipp

Es ist ratsam bei Blutanalysen neben dem Gesamt-Cholesterinwert auch das HDL (High Density-Lipoprotein, Molekül mit hoher Dichte) und das LDL (Low Density Lipoprotein, Molekül mit niedriger Dichte) bestimmen zu lassen.

Das HDL-Molekül gilt im Volksmund als das „gute“ Cholesterin, das LDL als das „schlechte“ oder „schädliche“ Cholesterin. HDL gilt deshalb als „gut“, weil es LDL aus anderen Geweben zur Leber transportiert. Dort wird es abgebaut und mit Hilfe der Gallensäure ausgeschieden.

Bei genetisch bedingten erhöhten Cholesterinwerten (familiäre Hypercholesterinämie) liegt ein Gendefekt der LDL-Rezeptoren auf der Oberfläche der Leberzellen vor, so dass die Cholesterinmoleküle nicht in die Zellen aufgenommen und dort abgebaut werden können. Die LDL-Konzentration bleibt dauerhaft erhöht, so dass sich mit zunehmendem Alter schleichend eine Atherosklerose entwickeln kann. Die Wahrscheinlichkeit dieser genetischen Belastung liegt laut dem Deutschem Ärzteblatt bei einem von 320 Personen.

Bei gesunden Menschen sollte das LDL< 116 mg/dl sein. Liegen weitere Risikofaktoren vor, ist ein niedrigerer LDL-Wert empfehlenswert. Zur Gesamtbeurteilung eines eventuellen erhöhten KHK-Risikos über die sogenannten „Blutfette“ gehören weiterhin noch die Triglyzeride, die als wichtige Energiereserve dienen, und das in Teil 1 genannte, hauptsächlich genetisch bedingte Lipoprotein(a). Ca. 10 bis 20% der Bevölkerung sind davon betroffen.

Tipp

Lassen Sie regelmäßig auch Ihre Triglyzeride im Blut und einmal im Leben Ihr Lipoprotein(a) bestimmen.

Sollten Sie unter erhöhten Cholesterinwerten leiden, empfehle ich Ihnen rechtzeitig ärztlichen Rat einzuholen. Grundsätzlich lohnt es sich über eine Umstellung auf eine ballaststoffreiche (Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Beeren u.a.) und pflanzenbasierte, fett- und zuckerarme Ernährung nachzudenken. Auch Fischgerichte, Nüsse und Samen sollten wegen ihren Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren regelmäßig auf dem Speiseplan stehen.

Wenn trotz Umstellung Ihrer Ernährungsgewohnheiten die LDL-Werte im Blut nicht wesentlich sinken, so werden Sie sich vermutlich über die Einnahme von Cholesterinsenkern, wie z.B. Statinen, Gedanken machen müssen. Dieses Thema sollten Sie ausführlich mit einem vertrauten Arzt oder einer Ärztin besprechen.

Damit sind Sie nun mit drei der „Big Five“ vertraut. Im dritten und letzten Beitrag zu diesem Thema erfahren Sie noch Wissenswertes über Diabetes und Adipositas. Außerdem erhalten Sie Informationen und Tipps über den Schutzfaktor Bewegung. Sie erfahren, warum körperliche Aktivitäten die beste Medizin zur Vorbeugung von KHK sind.

Bis dahin können Sie die Zeit bereits nutzen, um die Tipps und Informationen zum Wohle Ihres Herz-Kreislaufsystems umzusetzen.

Viel Erfolg dabei wünscht Ihnen

Ihr Dr. Bernd Gimbel

KörperManagement®

Bernd Gimbel © privat
Dr. Bernd Gimbel ist Gesellschafter der KörperManagement® KG. Er war als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundesausschusses für Leistungssport beim Deutschen Olympischen Sportbund tätig. Derzeit lehrt er als Dozent an der Deutschen Fitnesslehrer Akademie und der Berufsakademie für Sport und Gesundheit in Baunatal. Zudem ist Dr. Gimbel Autor mehrerer Bücher über Körpermanagement.
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