Stress: Eine Hand drückt einen weichen Ball zusammen, um Stress abzulassen.

Stress & Immunsystem: Wie die Seele die Abwehrkräfte steuert

Mittwoch, 16.12.2020

In stressigen Zeiten bist Du besonders anfällig für Erkältungen und andere Krankheiten. Hier erfährst Du, warum das so ist, und wie Du gegensteuern kannst.

© Foto: Lakshmiprasad, Adobe Stock

Stress kann beflügeln und dafür sorgen, dass Du über Dich hinauswächst. Er kann aber auch regelrecht ausbremsen. Untersuchungen zeigen: Chronischer Stress hat Auswirkungen auf die gesamte Immunabwehr. Doch es gibt Wege, sich aus dem Dauerstress zu befreien.

Was ist Stress eigentlich genau?

Stress ist ein Erbe aus der Steinzeit. Bei unmittelbaren Gefahren schalten wir in den Fight-or-Flight-Modus: Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet, Energie wird mobilisiert. Zugleich fährt der Körper das Immunsystem und auch die Verdauung herunter. Für unsere Vorfahren war die Reaktion überlebenswichtig, z. B., um sofort reagieren zu können, wenn ein wildes Tier im Anmarsch war. Durch die folgende körperliche Aktivität – kämpfen oder flüchten – wurden die Stress-Hormone wieder abgebaut, der Organismus konnte sich anschließend erholen. Diese Mechanismen wirken heute noch. Da sich unsere Lebensumstände verändert haben, sorgen sie dafür, dass viele Menschen sich in einer Art ständiger Alarmbereitschaft befinden.

Dauerstress und Immunsystem – wie hängt das zusammen?

Prüfungen, Zeitdruck oder lange ToDo-Listen lösen dieselben körperlichen Stressreaktionen aus, wie das Tier aus der Steinzeit. Doch anders als unsere Vorfahren kommen typische „Schreibtischtäter“ oft gar nicht dazu, die ausgeschütteten Stresshormone abzubauen oder sich nach dem letzten Hormon-Kick ausreichend zu erholen. Das betrifft vor allem Menschen, die ständiger Arbeitsüberlastung ausgesetzt sind oder dauerhaft mit familiären Problemen oder traumatische Erlebnissen zu kämpfen haben. Untersuchungen zeigen: Wer chronisch unter Stress steht, wird eher krank, da Viren, Bakterien und Keime weniger Gegenwehr haben. Auch der Heilungsprozess kann sich verlängern. Aber es gibt Wege aus der Stressfalle:

1. Stressbremse Sport

Es ist verlockend, nach einem hektischen Arbeitstag einfach auf der Couch zu relaxen. Allerdings bleibt die Muskulatur dann weiterhin angespannt, die Stresshormone zirkulieren noch immer im Körper. Das beste Rezept für echte Entspannung, ist das gleiche wie vor Tausenden von Jahren: Bewegung. Wichtig ist, dass Du Dich dabei nicht überforderst oder unter Druck setzt. Hier erfährst Du mehr darüber, wie Du Dein Stresslevel durch Bewegung senken kannst.

2. Rituale

Rituale schaffen Beständigkeit. Wichtig vor allem dann, wenn ansonsten alles schnell gehen muss! Die heiße Tasse Tee am Morgen, der Blick in die Zeitung oder der Abendspaziergang – all diese Gewohnheiten geben Deinem Tag einen festen Rahmen. Mit bewussten Momenten zum Innehalten und Luftholen verlieren Stress und Hektik ihre Kraft. Hier findest Du mehr Infos zur Stressbewältigung mit Ritualen.

3. Waldbaden

In Japan ist es längst als Methode für wirksames Stressmanagement anerkannt. Auch hierzulande kommt „shirin yoku“, das Eintauchen in die Waldatmosphäre, zunehmend in Mode. Zum einen, weil die Bewegung in der Natur per se erholsam ist. Außerdem wirken sich das Waldinnenklima und die ätherischen Öle der Pflanzen positiv auf Geist und Körper aus. Wer die Natur mit allen Sinnen wahrnimmt, beruhigt seinen Geist und bekommt größeren Abstand zu seinem stressigen Alltag. Mehr rund ums Waldbaden erfährst Du hier.

4. Achtsam leben

Lange ToDo-Listen und ständiges Multi-Tasking haben vor allem eine Wirkung: Du bist überall mit Deinen Gedanken, aber nicht im Hier und Jetzt. Achtsamkeitsübungen können eine Methode sein, um bewusster in dem Moment zu leben und den Augenblick zu genießen. Zudem können sie helfen, auf schwierige Situationen besser zu reagieren und Stress zu reduzieren. Lies auch: Tipps und Übungen für mehr Achtsamkeit im Alltag.

5. Soziale Kontakte

Viele Studien belegen: Wer auf ein gut funktionierendes soziales Netz zurückgreifen kann, leidet weitaus seltener an stressbedingten Krankheiten. Pflege Deine zwischenmenschlichen Kontakte und nutze die Chance, um schöne Erinnerungen zu sammeln. Davon kannst Du dann in stressigen Zeiten zehren! Wichtig: Auch in Zeiten mit eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten kann man seine Freundschaften pflegen. Diese Tipps helfen Dir dabei.

Ein Waldspaziergang, Sport oder die Tasse Kaffee am Nachmittag – ein paar gezielte neue Gewohnheiten können Dir helfen, Dein Stresslevel merklich zu reduzieren. Dabei tust Du nicht nur Deiner Seele etwas Gutes, sondern auch Deiner Körperabwehr. Wir wünschen gute Erholung -– und bleib gesund!